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Fr, 09.09.05, 22:02 h: Vierter X-Flare seit Mittwoch! - Magnetsturm jedoch noch unwahrscheinlich
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Sonne kommt nicht zur Ruhe: Ganze Serie von X-Class-Flares!

Majorflare auf der Sonne


Der X6.21-Majorflare von Freitagabend aus Sicht des GOES-12 Solar X-ray Imager - © by Space Environment Center


Neuer X-Class-Flate auf der Sonne: Der visualisierte Röntgenausbruch des X-Class-Flares von Freitagabend war noch 2 Stunden nach der gewaltigen Explosion gut als heller Lichtblitz zu sehen. Die für die Ausbrüche ursächliche Sonnenfleckengruppe ist seit dem Megaflare vom Mittwoch schon ein gutes Stückweit vom Sonnenrand in Richtung Sonnenmitte weiter gewandert. In den kommenden 2 Wochen wird diese Fleckengruppe das Zentrum der Sonnenscheibe durchqueren um sodann am rechten Rand wieder zu verschwinden. Da weitere, starke Ausbrüche zu erwarten sind, werden die zugehörigen Plasma-Flares zunehmend erdgerichtet sein und geomagnetische Stürme auslösen. Damit nehmen auch die Chancen für Polarlichter in der kommenden Woche deutlich zu!


Polarlichtbilder nicht nur aus Mitteleuropas finden Sie in der Polarlichtgalerie von www.polarlichter.com


WELTRAUMWETTERBERICHT

Vierter X-Class-Flare seit Mittwochabend - vorläufig aber noch keine Polarlichtchancen!

Solarer Röntgenstatus: Röntgenaktivität
Geomagnetisches Feld: Geomagnetischer Status


Stand 10.09.,00 Uhr MESZ: Seit dem Megaflare vom Mittwoch haben sich zahlreiche weitere starke Sonnenausbrüche ereignet, davon allein drei starke X-Class-Flares und alle drei innerhalb von nur 24 Stunden. Da sich die für die Ausbrüche verantwortliche Sonnenfleckengruppe "808" noch in der Nähe des Sonnenrands befindet, zielt allerdings der zugehörige CME (=coronal mass ejection) an der Erde vorbei, so dass diese von der zugehörigen Schockwelle allenfalls gestreift werden dürfte und voraussichtlich kein oder nur ein schwacher geomagnetischer Sturm ausgelöst wird. Helle, auch von Mitteleuropa aus sichtbare Polarlichter sind damit zunächst noch unwahrscheinlich. Allerdings ist mit weiteren Major-Flares zu rechnen und weil die Erde nun von tag zu Tag mehr ins Visier der in den weltraum schießenden Plasmawolken gelangen wird, dürften auch die Polarlichtchancen im Lauf der kommenden Woche erheblich steigen!

Wir bleiben dran ...


Monitor der Röntgen-Ausbrüche auf der Sonne


aktueller Monitor der solaren Röntgen-Ausbrüche - © 2005 by n3kl.org

Dieser NOAA-Röntgen-Monitor zeigt den Verlauf der solaren Röntgenaktivität der vergangenen Tage. Gut erkennt man darin noch den mächtigen und lang anhaltenden Megaflare von Mittwochabend. Schon am Donnerstagabend leitete dann ein neuer, starker X-Class-Flare eine ganze Serie von Plasmaeruptionen ein, deren letzte am Freitagabend die Stärke X6.21 erreichte. - Achtung: Diese Grafik wird ständig aktualisiert, so dass die Darstellung langsam nach links wandern und nach wenigen Tagen aus dem Sichtfeld verschwinden wird. Aber auch nach Verschwinden der Darstellung dieses Ausbruchs kann man anhand des Kurvenverlaufs dieser Grafik etwaige, weitere Strahlungsausbrüche, so genannte "Flares" erkennen, die sich als markante Ausschläge der Messdaten abbilden.

Die Skala ist übrigens logarithmisch aufgebaut und gibt die Stärke der Röntgenstrahlung in Watt pro Quadratmeter an. Rechts ist die Klassifizierung durch die aufsteigende, jeweils noch in die Ziffern 1 bis 10 unterteilte Buchstabenfolge A, B, C, M und X bezeichnet. Dabei entspricht jeder Klassenwechsel dem 10-fachen Energiebetrag des vorangegangenen, ein X1-Class-Flare ist also 10 mal so stark, wie ein M1-Class-Flare. Übersteigt ein Ausbruch den X10-Betrag, so spricht man von einem Megaflare ohne dass der zugehörigen Mega-Class ein neuer Buchstaben zugeordnet wird.

Bei entsprechenden, aber erst mit ihrem Eintreten erkennbaren Parametern des Sonnenwindes (Substürme) können Polarlichter auftreten. In Zusammenhang mit den hier sichtbaren X-Class-Flares sind die Chancen für nennenswerte Polarlichter allerdings noch gering!

Die Aussichten: In den nächsten 2 Wochen wandert die für die außerordentlich heftige Aktivität verantwortliche Sonnenfleckengruppe "808" langsam über den gesamten, sichtbaren Teil der Sonnenscheibe hinweg. Da die Gruppe als sehr aktiv gilt, darf in dieser Zeit mit weiteren, sehr starken Ausbrüchen gerechnet werden, so dass zunehmend auch mit erdgerichteten CMEs (=Coronal Mass Ejektion) zu rechnen ist. Damit nimmt in dieser Zeit auch die Polarlichtwahrscheinlichkeit deutlich zu, es lohnt sich also, das Geschehen weiter zu verfolgen.

Hinweis: Dieser Weltraumwetterbericht von Jürgen Vollmer wurde am 10.09.2005, um 00:00 h MEZ verfasst. - Die Aussagen beruhen auf fundierten Amateur-Interpretationen der Lage. Eine Gewähr oder gar Haftung für die Richtigkeit und/oder Vollständigkeit der Informationen wird jedoch nicht übernommen. Der Planung technischer Maßnahmen sollte in jedem Fall der Datenpool offizieller Einrichtungen zur Überwachung der Sonnenaktivität zugrunde gelegt werden.

Dieser Weltraumwetterbericht wurde zuletzt am Samstag, den 10.09. um 00:00 Uhr aktualisiert
Updates des Weltraumwetters: bei neuen polarlichtrelevanten Ereignissen


Hier noch ein Tipp zur Selbstabschätzung der Polarlichtchancen:

Die genaue Entwicklung eines geomagnetischen Sturms und damit die Chancen der Sichtbarkeit von Polarlichtern läßt sich nur kurzfristig bestimmen, weil sich die konkreten Bedingungen auch während eines solchen Sturms meist von Minute zu Minute verändern. Aus diesem Grund sind Polarlichter auch immer in Bewegung und erscheinen wie kosmische Gewebe aus waberndem Licht.

Eine wichtige Hilfestellung dafür, ob gerade in demselben Moment, in dem Sie sie diese Zeilen lesen, günstige Voraussetzungen für Polarlicht bestehen, bietet die nachfolgende Grafik zum Verhalten des Sonnenwinds und des aktuellen Erdmagnetfelds:


Sonnenwind und Magnetfeld

Das Diagramm zeigt die wichtigsten Größen zur Beurteilung der aktuellen Polarlichtchancen auf einen Blick: - 1. Die Geschwindigkeit des Sonnenwinds (horizontale Achse), - 2. Die Ausrichtung des IMF (vertikale Achse) und - 3. Die Teilchendichte des Sonnenwinds (Farbskala), die auch in der Pfeilspitze angezeigt wird. - Je weiter diese nach rechts unten ins rote Feld weist, desto größer ist die Chance für Polarlicht. Das Diagramm wird alle 10 Minuten aktualisiert!

Für weitere aktuelle Informationen empfehlen wir die Polarlichtseite von naturgewalten.de und das Polarlichtforum des Arbeitskreises Meteore (AKM). Dort wird sofort gemeldet, wenn irgendwo jemand eine Beobachtung macht.


Die Wolken über Europa

Noaa-Satellitenbild Europa

Für volle Auflösung (ca. 2500 x 4500 px) bitte ins Bild oder hier klicken!
Copyright 2004 RSGB, University of Bern and NOAA

Zu sehen ist die aktuelle Wolkenverteilung über Europa in hoher Auflösung. Das Bild wird alle 2-3 Stunden aktualisiert.


Tipps:

Wer klaren Himmel hat, sollte die Informationen zum Sonnenwind und damit zur potenziellen Polarlichtaktivität verfolgen. Um hierbei immer Up-To-Date zu bleiben, empfiehlt sich der gelegentliche Besuch des Polarlichtforums des AKM. Werden dort nach Materieauswürfen auf der Sonne Polarlichtbeobachtungen gemeldet, sollte man sich ein dunkles Plätzchen ohne störendes Licht suchen und den Nordhimmel im Auge behalten: Zumindest zeitweise könnte dann Polarlicht aufglimmen. Zu sehen ist mit etwas Glück eine deutliche Aufhellung des Nordhimmels, wobei meist ein rötlicher Schimmer, womöglich mit Strahlen und Beamern erkannt werden kann, der sich in Form und Intensität langsam verändert. - Für weitergehende Informationen zum Thema Polarlicht beachten sie bitte auch unsere Direktlinks zu Polarlichtseiten in der Navigationsleiste links unter "Weltraumwetter" ...


Bisherige Weltraumwetterberichte zu diesem Ereignis:

10.09.05: Polarlichtwetter vom 10.09.05, 10 h - Serie von X-Class-Flares dauert an
08.09.05: Polarlichtwetter vom 08.09.05, 10 h - X17.1-Megaflare schießt an der Erde vorbei!

***

mit freundlicher Unterstützung der meteomedia ag, Gais - CH


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