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Tanz der Staubteufel

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Staubteufel
Für eine größere Ansicht bitte ins Bild klicken!

© by NASA/JPL & Texas A & M


Auf der Erde sind Staubteufel meist Einzelgänger, auf dem Mars sind sie dagegen äußerst gesellig: Gleich ein ganzer Verband der kleinen Schönwettertromben zieht über eine Ebene im Gusev-Krater.

Eine meteorologische Besonderheit hat unser roter Nachbar in Gestalt seiner Staubteufel zu bieten. Vor allem im Frühsommer tummeln sich bisweilen ganze Staubteufel-Familien über den Weiten des Wüstenplaneten. Marsiane Staubteufel sind eng mit irdischen Staubteufeln verwandt, treten jedoch weitaus häufiger und meist in Gruppen von mehreren Wirbeln auf. Ihre Laufspuren erstrecken sich als dünne Linien oft über viele Kilometer Länge und die Drehgeschwindigkeit der tornadoähnlichen, meist nur wenige Meter bis einige Dutzend Meter breiten, aber oft mehrere Kilometer hohen Luftsäulen kann 100 km/h leicht übersteigen. Starke Sandtornados bringen es vermutlich noch auf weitaus höhere Drehgeschwindigkeiten, die den Vergleich mit den Energien irdischer Tornados kaum scheuen müssen, doch dürften stark entwickelte Tromben auch auf dem Mars eher selten sein.

Marstromben entstehen besonders häufig bei windschwachem, aber nicht windstillem Wetter, wenn intensive Sonneneinstrahlung einzelne Luftpakete direkt über dem Boden überadiabatisch, d.h. stärker als die umgebenden Luftschichten aufheizt. Die betroffenen Luftpakete dehnen sich bei der Erwärmung wie die Blasen am Boden eines Kochtopfs aus und die thermische Schichtung wird instabil. Jetzt reicht schon die geringste Störung wie etwa ein plötzlicher Windstoß oder auch nur ein kurzes Drehen der Windrichtung aus, um diese Luftblasen vom Boden zu lösen und wie unsichtbare Ballons aufsteigen zu lassen. Von den Rändern her strömen Luftkissen nach, die ihrerseits wiederum durch kühlere Luft, die aus höheren Schichten absinkt, ersetzt werden.


Staubteufel auf Mars

© by NASA/JPL MSSS


Den Staubteufel links fing die Bordkamera des "Mars Global Surveyor" Orbiter am 26. August 2003 vom Weltraum aus ein. Wegen der senkrechten Aufsicht erkennt man nur sein Oberteil als hellen, milchigen Fleck. Die Höhe der Staubsäule verrät sich allerdings durch ihren langen Schattenwurf. - Das rechte Bild zeigt die Spurlinien Dutzender Staubteufel am Hang eines Kraters.

Bei völlig windstillem Wetter wäre der Vorgang durch das geschilderte Ablösen und Aufsteigen der Luftblasen beendet, denn es dauert ein Weilchen, bis sich auch die nachrückende Luft stark genug erwärmt hat, um ebenfalls aufsteigen zu können. Weht dagegen ein schwacher, aber kontinuierlicher Wind, können die sich lösenden Luftblasen nicht senkrecht aufsteigen, sondern werden seitwärts über benachbarte Luftpakete getrieben, die ihrerseits kurz vor der Ablösung stehen. Diese werden vom Sog der vorbeistreichenden Luftblase erfasst und ebenfalls zum Aufsteigen angeregt. Dieser Vorgang setzt einen Domino-Effekt in Gang, der sich immer weiter fortsetzt, bis schließlich eine Säule aufsteigender Luft entstanden ist, die von der eigenen Vorwärtsbewegung in Windrichtung lebt.

Unebenheiten des Geländes oder Hindernisse wie Felsen verwirbeln die am Boden einströmende Luft und versetzen dadurch nach und nach die ganze Luftsäule in Rotation. Dabei wird der Sog am Boden immer stärker, wodurch Staub aufgewirbelt und mit in die Höhe gerissen wird: Die Luftsäule trübt sich ein und der Staubteufel ist geboren! - Einmal in Gang gesetzt driften solche Wirbelwinde wie riesige, atmosphärische Staubsauger mit der vorherrschenden Windrichtung solange über die Oberfläche, bis sie auf kühlere Zonen treffen, wo der Nachschub an aufstiegswilliger Luft versiegt.


Wo sich Staubteufel heimisch fühlen ...

Staubteufel bilden sich mit Vorliebe in weitem, leicht hügeligem Gelände, in dem es kaum störende Einflüsse oder Hindernisse für den Wind gibt. Neben offenen Ebenen trifft dies auch auf größere Krater zu, an deren Hängen oder innerhalb deren Kalderen meist ideale Entstehungsbedingungen herrschen. So kann der Wind in solchen Arealen recht konstant wehen und flache Hügel sorgen lediglich für eine leichte Böigkeit. Weil das Sonnenlicht nun an den sonnenzugewandten Hängen steiler einfällt, als in den Ebenen, erwärmen sich diese Zonen im Lauf des Vormittags rascher, als flaches Gelände. Daher bilden sich die ersten, noch kurzlebigen Staubteufel des Tages mit Vorliebe an solchen, sanft geneigten Hängen oder auch an den Innenwänden weitläugiger Krater.


Staubteufelverband auf Mars  Staubteufelverband 2 Tage danach

© by NASA/MSSS


Staubteufelfamilien auf dem Mars: Beide NASA-Bilder zeigen genau das gleiche Marsgebiet zur selben Tageszeit, wurden aber im Abstand von 2 Tagen aufgenommen. Im Bildvergleich werden die zahlreichen Staubteufel sichtbar, die jeweils gerade an anderen Stellen unterwegs sind. Die Höhe der mit dem Pfeil gekennzeichneten Trombe konnte anhand ihres Schattenwurfs auf etwa 8 Kilometer bestimmt werden, was einem mächtigen Sandtornado entspricht. Die kleineren Staubteufel sind allesamt zwischen 1 und 4 Kilometer hoch. - Irdische Staubteufel bleiben mit nur wenigen 100 Metern meist deutlich kleiner, dafür erreichen auf der Erde die gefürchteten Tornados mitunter Höhen von mehreren Kilometern.


Staubteufelverband auf Mars  Staubteufelvergleichs-Animation

© by NASA/MSSS


Links nochmal eine Ausschnittsvergrößerung des großen Sandtornados, rechts eine Animation der beiden Bilder von oben, die noch einmal schön die unterschiedlichen Positionen der Staubteufel an den beiden Aufnahmetagen deutlich machen.

Mit zunehmender Erwärmung der Ebenen nimmt über Mittag auch die Anzahl und die Lebensdauer der Staubteufel zu, denn nun können sie immer weitere Strecken zurücklegen, bevor sie auf kühlere Luftschichten treffen, die sie wieder in sich zusammenfallen lassen. Zu dieser Zeit können gut entwickelte Tromben Dutzende Kilometer weit ziehen und beachtliche Staubmengen aufwirbeln. Die Spuren der stärksten Staubteufel sind an ihren beliebtesten Tummelplätzen sogar noch auf Satellitenbildern vom Weltraum aus zu erkennen. - Erst wenn die Sonneneinstrahlung im Lauf des Nachmittags wieder nachlässt, geht auch den Marstromben der Nachschub an aufgewärmter Luft langsam aus und der Tanz der Staubteufel neigt sich seinem allabendlichen Ende entgegen.

Auch auf der Erde bilden sich Staubteufel stets bei sonnigem Strahlungswetter. Sie werden daher auch als "Schönwettertromben" bezeichnet. Allerdings fristen irdische Staubteufel im Vergleich zu ihren marsianen Verwandten meist nur ein Einzelgängerdasein. Der Grund: Die Erdatmosphäre ist mehr als hundert mal dichter, als diejenige des Mars. Dadurch wirkt sich eine Fülle kleinräumiger, jeweils nach Ausgleich strebender Luftdruckunterschiede so störend auf den Wind aus, dass dieser nur selten die zur Staubteufelbildung notwendige Kontinuität entwickeln kann. Hinzu kommt die Reibung der Luftströmungen an der Erdoberfläche, die das Spiel des Windes um ein Vielfaches stärker hemmt und stört, als auf unserem Nachbarplaneten. - Deshalb sind irdische Staubteufel in der Regel auch bei Weitem nicht so langlebig wie ihre leichtfüßigen Verwandten auf dem Mars.


Wolken in der Marsatmosphäre

Auch am Marshimmel sind die filigranen Gewebe hauchzarter Cirruswolken am Himmel nicht selten. Sie bestehen genau wie auf der Erde aus feinsten Eiskristallen, die sich immer dann bilden, wenn sich Wasserdampfgas an den zuhauf in der Atmosphäre schwebenden, winzigen Staubpartikelchen niederschlägt. Dies geschieht auf dem Mars vor allem nachts, weil dann nicht nur die Oberfläche des Planeten, sondern auch die atmosphärischen Staubteilchen die tagsüber von der Sonne empfangene Wärme in den Weltraum abstrahlen und dabei auch die umgebende Luft etwas mitkühlen. - Nach Sonnenaufgang absorbieren die Staubpartikel wiederum einen Teil des Sonnenlichts, wobei sie sich geringfügig erwärmen. Diese geringe Erwärmung reicht aus, dass die Eiskristalle wieder zurück in die Atmosphäre sublimieren und die nächtlichen Schleierwolken nach und nach abtrocknen können.


Vulkankette

© by NASA/JPL


Das Bild der Raumsonde Viking-1 aus dem Jahr 1976 zeigt gleich drei der Vulkanriesen auf dem äquatorialen "Tharsis Plateau", links den Arsia Mons, in der Mitte den Pavonis Mons und rechts vorne den Ascraeus Mons, mit 20 Kilometer Höhe der höchste Vulkan dieses Trios. Während noch ein zarter Schleier morgendlicher Cirruswolken über den Ebenen liegt, erheben sich die Gipfel der Vulkane über das dünne Wolkengewebe hinaus. Der Äquator verläuft übrigens von oben durch den Pavonis Mons nach unten. Dabei ist Westen in dieser Darstellung oben und Osten unten. Auf Arsia Mons ist die von Nordosten einfallende Sommersonne gerade erst aufgegangen.

Anders liegen die Dinge, wenn am vorher klaren Marshimmel mit einem Mal Bänder und Streifen zerfaserter Cirruswolken aufziehen oder sich ausbreiten. Dann nähern sich zumeist echte Wetterfronten, die auch mit großräumiger Hebung von Luftpaketen einhergehen und dadurch die Wolkenbildung begünstigen. Aufziehende, kompakte Cirruswolken können daher auch auf dem Mars erste Vorboten eines nahenden Wetterumschwungs sein. Wie auf der Erde bilden sich nämlich vor allem in der Nähe der Polkappen richtige Wolkenwirbel mit weit geschwungenen Wolkenfronten, die kältere von wärmeren Luftmassen trennen und deren Dynamik von großräumigen Änderungen des atmosphärischen Luftdrucks angetrieben wird.


Aufziehende Cirren sind oft Vorboten von Staubstürmen


Cirren am Marshimmel

© by NASA/JPL


Bänderartige, stark zerfaserte Cirrus-Formationen ziehen am Marshimmel auf. Anders, als die hauchdünnen Schönwettercirren weisen sie deutliche Strukturen auf und können auch dicht genug werden, um das Sonnenlicht einzutrüben oder gar Schatten zu werfen.

Meist leiten solche Wetterumschwünge das Ende einer Jahreszeit ein, denn die atmosphärischen Turbulenzen auf unserem Nachbarplaneten stellen sich stets am Ende des Sommers oder des Winters ein, wenn sich die Polargebiete durch den wechselnden Sonnenstand innerhalb kurzer Zeiträume stark zu erwärmen oder stark abzukühlen beginnen. Die sich dann zusammenbrauenden Sturmsysteme können, wie bereits geschildert, leicht zu planetenweiten Staubstürmen führen, worauf ruhigem und mildem Herbstwetter die rund halbjährige, eisige Winterzeit folgt oder auch umgekehrt, wenn ein mächtiger Frühlingssturm den Übergang zum nahenden Sommer markiert.


Wolken am Olympus Mons

© by NASA/JPL


Während sich der südliche und zentrale Bereich des Olympus Mons auf diesem Bild klar und wolkenlos zeigt, umsäumen dünne, duchsichtige Cirrusschleier die östlichen Teile seines gewaltigen Kegels. Die sich seiner Nordostflanke anschließende Ebene ist dagegen bereits von dichteren Wolkenschleiern bedeckt. Die gelbliche Färbung der entfernteren Wolkenschichten deutet darauf hin, dass sich dort ein Staubsturm zusammenballt.

Mars-Cirren kommen übrigens mitunter noch in wesentlich größeren Höhen vor, als ihre irdischen Verwandten: Weil die untere Marsatmosphäre keine thermischen Sperrschichten aufweist, können sich auch noch 50 Kilometer über der Oberfläche dünne Eiswolken bilden. Meist sind sie jedoch in Höhen unterhalb der großen Vulkangipfel und damit unterhalb von etwa 15 bis 20 km unterwegs.


Orografische Wolken und Nebel


Olympus Mons über den Wolken - Viking-2 1976

© by NASA/JPL


Majestätisch erhebt sich der Olympus Mons über die teils dichten Wolkenschichten, die seine Flanken umspülen. Bei den geriffelten Strukturen im oberen, linken Bildrand handelt es sich um typische Leewolken, die sich immer dann bilden, wenn Wind hügeliges Gelände, Bergrücken oder auch große Gräben überströmt. In diesem Fall handelt es sich um die etwa 6 Kilometer tiefe Abbruchkante an der Nordwestseite des Vulkans, die genau in Blickrichtung liegt. Der südöstliche Wind treibt die Wolken über diese Kante hinaus, wobei föhnähnliche Effekte direkt am Abbruch zum Steilhang zu Wolkenauflösung führen. Über dem Tiefland bilden sie sich dann in einiger Entfernung und etwas tiefer neu, wobei die mitgenommene Schwingung des Windes zu den auffälligen Wellenmustern mit Wechsel von Wolkenbändern und wolkenfreien Zonen führt.

Neben den vergleichsweise häufigen Cirruswolken bilden sich über einigen, geografisch besonders ausgesetzten Regionen gelegentlich auch Wolkenformationen, deren Erscheinungsbilder stark vom Zusammenspiel des Windes mit der Orografie der hervorrufenden Geländeformen geprägt sind. Auch dies geschieht analog zu den entsprechenden Vorgängen auf der Erde häufig über Gebirgszügen oder größeren Kratern, die der vorherrschenden Windströmung eine wellenartige Schwingung aufzwingen, welche sich im Lee des Verursachers oft noch mehr als 100 Kilometer weit fortsetzt.


Leewolken hinter Marskrater

© by NASA/JPL/MSSS


In der von einem hohen Krater gestörten Windströmung hat sich ein ausgeprägtes Wellenmuster entwickelt, in welchem sich die weiter strömende Luft wie an der Oberfläche eines gekräuselten Sees abwechselnd aufwärts und abwärts bewegt. Dabei entstehen in den Auftriebszonen schmale Bänder aus Eiswolken, die sich im folgenden Wellental durch kurzzeitiges Absinken wieder auflösen. Das Entstehungsprinzip entspricht demjenigen von irdischen Leewolken, wobei die zugehörige Wolkengattung wohl dem Cirrus undulatus am nächsten kommen dürfte.


Leewolken und Nebel vor einer Marskraterwand

© by NASA/JPL/MSSS


Das linke Bild zeigt ein klassisches Leewolkenmuster über und hinter einem das Windfeld störenden Krater. Gut zu sehen ist das seitliche Umfließen des gipfelnahen Kraterbereichs, während die Luft im Zentralbereich der Kaldera abgebremst wird, so dass die Leewolkenbänder hier deutlich zurückbleiben. Die einzelnen Leewalzen sind mächtig genug um sogar Schatten zu werfen. - Das rechte Bild zeigt Eisnebel in Nahaufnahme, der in einem polnahen Krater wabert und dabei Schatten auf die deutlich hervortretenden Schichten der Kraterinnenwand wirft.

Neben klassischen Cirruswolken und orografischen Leewolken gibt es in einigen Marsregionen auch Nebel. Zwar besteht dieser Nebel wegen den an diesen Orten vorherrschend tiefen Temperaturen nicht aus Wassertröpfchen, sondern wie auch die Wolken in der freien Atmosphäre aus Eiskristallen, doch entspricht das Vorkommen und das Verhalten solcher Eisnebelbänke ansonsten demjenigen von Nebelfeldern auf der Erde. Auch Marsnebel bildet sich nur an weitgehend windgeschützten Orten, etwa in Geländesenken oder in Kratermulden, die kaum von der Sonne erreicht werden und in denen sich Kaltluftseen daher gut halten können. Temperaturinversionen begünstigen sowohl die Entstehung als auch die Lebensdauer solcher Nebelschwaden.


Nebel in einem Marskrater

© by NASA/JPL/MSSS


Das Bild zeigt einen mit Eisnebel gefüllten Krater, der von einer schwachen Windbrise überstrichen wird. Nur unmittelbar am der Windrichtung zugewandten Kraterrand ist der Wind, vermutlich durch lokale Verwirbelungen oder Rotoreffekte, stark genug, um an der Oberfläche des Nebelsees eine leichte Dünung zu erzeugen. Für eine Durchmischung der Luftschichten reichen diese Störungen jedoch nicht aus und mit zunehmender Entfernung von der Kraterwand verlieren sich diese Effekte allmählich. - Der Durchmesser des abgebildeten Kraters beträgt 36 Kilometer, d.h. die erzeugten Wellenberge- und Täler haben eine Dünungsbreite von etwa 2 bis 3 Kilometer.

Sämtliche bisher beobachteten Wolkenformationen auf dem Mars sind stratiformer Natur. Konvektive Prozesse bleiben in der dünnen Lufthülle des Planeten wohl allein auf die zahllosen, jedoch nur kleinräumigen Staubteufel beschränkt. Obwohl diese Wirbelstürme durchaus auch recht beachtliche Ausmaße erreichen können, fehlt ihnen doch die notwendige Energie sowie die Feuchte, um in der trockenen Marsluft Kondensation und damit Wolkenbildung herbeizuführen. Immerhin erreicht die Energieeinstrahlung der Sonne auf dem Mars nur 44 Prozent des auf die Erde entfallenden Wertes.


Ein fiktiver, aber realistischer Marswetterbericht


Das Wetter für den Olympus und das nordwestliche Tharsis Plateau

Wetterlage: Fallender Luftdruck über dem Polargebiet führt zusammen mit einem massiven Kaltluftvorstoß zur Bildung eines kräftigen Sturmsystems. Seine Ausläufer erfassen weite Teile der Region und beenden das milde Herbstwetter.

Aussichten: Nach Auflösung von Frühdunst und dünnen Schleierwolken ist es zunächst sonnig und klar. Nur im Süden bilden sich über Mittag lockere Staubteufelverbände. Die Temperaturen steigen in den Ebenen von Frühwerten um -70 nochmals auf milde -45 bis -30, im Süden bis -20 Grad. Oberhalb 10 Kilometer -90 bis -45 Grad und in den Gipfelregionen um -120 Grad. Schwacher, nur in Staubteufelnähe böig auffrischender Wind aus wechselnden Richtungen.

Am Abend von Norden her Aufzug von Schleierwolken und bei stürmisch auffrischendem Südwestwind fortschreitende Eintrübung der Luft. In der Nacht auch im Tiefland Temperatursturz auf -75 bis -90 Grad. Dabei zunächst in den nördlichen, später auch in den zentralen Regionen mit Winddrehung auf Nordwest schwerer Staubsturm mit einzelnen Orkanböen.

Weiterer Ausblick: Auch im Südosten einsetzender Staubsturm und nur noch in hohen Lagen mittags etwas Sonne. Frühwinterlich kalt mit Höchstwerten von -55 bis -80 Grad, im Norden auch schon darunter, im Gipfel- und Kalderabereich des Olympus Mons unter -130 Grad.

Olympus Mons mit Deutschlandumriss

© by NASA/JPL, Montage: Alfons Gabel

Der gewaltige Mars-Vulkan "Olympus Mons" würde auf der Erde fast ganz Deutschland bedecken. Die Hänge seines bis in die Stratosphäre ragenden Gipfels wären von gigantischen Gletschern umsäumt, während die Gipfelregion weitgehend schneefrei bliebe, weil sie die Wetterzone weit überragen würde. - Im Fußbereich des Massivs würden die Erosionskräfte von Wind und Wetter dagegen im Lauf der Zeit massiv an der Gestalt des Bergriesen nagen ...



Farbspiele in der Marsatmosphäre


Dämmerung auf Mars

© by NASA/JPL and University of Arizona


Das diffuse Streulicht der ersten Morgendämmerung zeigt sich auf dem Mars schon fast 2 Stunden vor dem Sonnenaufgang. Dann werden in der Hochatmosphäre bereits die ersten Staubteilchen von den Sonnenstrahlen erreicht und streuen das Licht in matt schimmernden, goldbraunen Farbtönen.

Eine alte Volksweisheit sieht einen Zusammenhang zwischen den irdischen Dämmerungsfarben und dem zu erwartenden Wetter. Sie lautet: "Morgenrot - Schlechtwetterbot'" und bezieht sich auf die rötlichen Farbspiele in der Erdatmosphäre, wenn dünne, hoch schwebende Cirruswolken schon vom Licht der noch unter dem Horizont stehenden Sonne beleuchtet werden. Meist sind sie Vorboten von Wetteränderungen nach einer vorangegangenen Schönwetterperiode.


Auf dem Mars gilt: Morgenrot - Schönwetterbot'

Auch am Marshimmel tauchen die filigranen Gewebe hauchzarter Cirruswolken bisweilen am Morgenhimmel auf. Aber anders als auf der Erde sind solche Morgencirren zumeist kein Zeichen bevorstehender Wetteränderungen, sondern sie deuten auf den Fortbestand einer "Schönwetterlage" hin. Das liegt daran, dass nächtliche Cirren am Marshimmel stets bei klarem, störungsfreiem Strahlungswetter entstehen, ähnlich, wie sich auf der Erde bei einer anhaltenden Schönwetterlage durch die nächtliche Abkühlung Nebel, Tau oder Reif bilden. - Nach Sonnenaufgang sorgt die Einstrahlung für Erwärmung und setzt den umgekehrten Prozess in Gang: Ebenso wie irdischer Tau oder Reif lösen sich daraufhin auch die marsianen Schönwetter-Cirren langsam wieder auf.


Dämmerung auf dem Mars

© by NASA/JPL and University of Arizona


Wenn die Sonnenstrahlen tiefer in die Atmosphäre eindringen, tauchen sie den Himmel in einen rosafarbenen, pastellenen Glanz. Davor hebt sich sodann hell bis leuchtend rot das Gewebe der Cirruswolken ab. Die Sonne steht immer noch unter dem Horizont und es wird langsam heller.

Sobald die ersten Sonnenstrahlen die hauchdünnen Eiswolken erreichen, leuchten diese als rötliche Schlieren, Streifen, Fasern oder flaumige Bällchen im langsam heller werdenden Dämmerlicht auf und malen ein hinreißendes Feuerwerk der Farben in den Morgenhimmel des Mars.


Dämmerung auf dem Mars

© by NASA/JPL and University of Arizona


Kurz bevor die Sonne die noch dunkle Horizontlinie erreicht, verändern sich die Farben der Atmosphäre abermals. An die Stelle des erst rötlichen, dann violetten Glimmens treten nun magische, bläuliche Farbtöne, die immer heller aufleuchten - bis endlich die Sonne erscheint.

Morgenwolken am Marshimmel sind also keine Vorboten schlechten Wetters, sondern sie zeugen im Gegenteil vom Fortbestand einer ruhigen "Schönwetterlage", wie dies auf der Erde z.B. für Frühnebel gilt. Nahe der Marsoberfläche wird es jedoch selten so kalt wie in der freien Atmosphäre und weil die Luft nur wenig Wasserdampf enthält, können sich hier nur in windgeschützten Kratern, in höheren Berglagen sowie in den Polargebieten gelegentlich bodennahe Eisnebelschleier bilden. - Auf dem Mars trifft deren meteorologische Bedeutung als Indikator für ruhiges Hochdruckwetter daher viel eher auf die weitaus häufigeren Morgencirren zu.


Das magische Licht der blauen Sonnenuntergänge


Sonnenaufgang über dem Gusev-Krater

© by NASA/JPL Texas A&M/Cornell


Sonnenauf- und Untergänge erscheinen trotz dem in der Atmosphäre allgegenwärtigen, rötlichen Staub keineswegs rot, sondern in magischem Blau. Die Sonnenscheibe über dem maßstabgerecht ins Bild projizierten Modell des Mars-Rover "Spirit" erscheint wegen der großen Entfernung zu unserem Zentralgestirn zudem nur etwa zwei Drittel so groß, wie von der Erde aus gesehen.

Sonnenuntergang auf MarsSonnenuntergang auf Mars

© by NASA/JPL Texas A&M/Cornell


Links: Sonnenaufgang über dem Gusev-Krater aus Sicht des Mars-Rovers Spirit. - Rechts: Animation des blauen Sonnenuntergangs auf dem Mars.


Ganz gleich ob im Sommer oder im Winter: Am Ende eines jeden, mit rund 24 1/2 Stunden Dauer übrigens nur wenig länger als ein Erdtag währenden Marstages steht - wie auf der Erde - der Sonnenuntergang. Und so fremd dem irdischen Betrachter jene ferne Welt auch erscheinen mag: Ein farbenprächtiger marsianer Sonnenuntergang versöhnt auch mit dem widrigsten Sturm, - ein Sonnenaufgang auf dem roten Planeten auch mit der längsten und eisigsten Nacht.


Nach dem Sonnenuntergang auf Mars

© by NASA/JPL Texas A&M/Cornell


Kurz nachdem die Sonne verschwunden ist glüht der Marshimmel dicht über dem Horizont noch für ein Weilchen in leuchtenden Blautönen nach.


Weil die dünne, von feinstem Staub angefüllte Marsatmosphäre das Licht der sinkenden Sonne anders streut, als die irdische, verzaubern dort hinreißende Farbkompositionen blauen Lichts den ansonsten rötlich schimmernden Marshimmel und inszenieren an der Schwelle zwischen Tag und Nacht immer wieder faszinierende Lichtkaskaden von ganz eigentümlicher Magie in die Dämmerung.


nach dem Sonnenuntergang auf Mars

© by NASA/JPL Texas A&M/Cornell

Die Dämmerung senkt sich herab: An die Stelle der eben noch so berauschenden Blautöne des Sonnenuntergangs tritt alsbald wieder der typische, rosé-farbene Glanz der stauberfüllten Lufthülle unserer roten Nachbarwelt im All, - der Welt des verlorenen Wassers ....


Weiter zu Teil 3



Lassen Sie sich zum Ausklang unserer Reise zum Mars noch einmal von Bildern entführen, - von Bildern der wilden Schönheit und der bizarren Ästhetik einer von unserer sehr verschiedenen Welt


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