|
Märchenhaftes am Abendhimmel: Mond (Wolf), Venus (Geiß) und Siebengestirn (Geißlein)
Reiner Boulnois
Volkssternwarte Marburg e.V.
Der April ist kalendarisch der erste vollständige Frühlingsmonat des Jahres 2026, in dessen Monatsverlauf die Zeit des lichten Tages um fast zwei Stunden zunimmt. Die Sonne bewegt sich auf ihrer Jahresbahn weiterhin nach Norden und wechselt dabei am 19. April aus dem Tierkreissternbild Fische in das Tierkreissternbild Widder, in dem vor etwa 2000 Jahren der Frühlingspunkt lag, welcher nunmehr aufgrund der Präzessionsbewegung der Rotationsachse der Erde in das Sternbild Fische verschoben ist.
Die Sonne selbst zeigt weiterhin eine erhöhte Aktivität im zurzeit laufenden, etwa elf Jahre umfassenden 25. Sonnenfleckenzyklus, wodurch - wenn auch sehr selten - sogar bei uns in Mitteleuropa Polarlichter auftreten können. Die noch nicht vollständig verstandenen Mechanismen dieser Vorgänge werden momentan von zwei Sonnensonden intensiv untersucht.
Der Vollmond am Monatsanfang bestimmt nach den recht komplizierten Osterregeln, die Sonnen- und Mondkalender kombinieren und vom Mathematiker Gauß in überschaubaren Formeln fixiert wurden, den Zeitpunkt des diesjährigen Osterfestes. Unser Himmelsbegleiter durchläuft danach bis zum Tag des Neumonds am 17. April alle Phasen des abnehmenden Mondes. Am Abend des 19. April lässt sich bei besten Sichtbarkeitsbedingungen um 22 Uhr dicht über dem Westhorizont dann eine extrem schmale zunehmende Mondsichel mit beeindruckendem Erdlicht erspähen, die gerade noch letzte Sterne des Siebengestirns = offener Sternhaufen der Plejaden bedeckt hat. Mit einem Fernglas sind beide Objekte gut zu beobachten und darunter strahlt am Abendhimmel näher zum Horizont unser Nachbarplanet Venus.

Dieser Himmelsanblick ist eine Grundlage für die Entstehung des Märchens "Der Wolf und die sieben Geißlein", denn alle 18 Jahre ergibt sich durch eine Extremlage der Mondbahnebene für über zwei Jahre eine Situation, die jeden Monat zu einer Bedeckung des Sternhaufens führt, von denen leider nur relativ wenige bei uns gesehen werden können. Dabei steht der bedeckende Mond für den die Geißlein verschlingenden Wolf, der diese anschließend aber unversehrt wieder frei gibt und wegen seiner geringeren Größe dabei nicht gleichzeitig alle Sterne des "Siebengestirns" bedecken kann. Auch die Farbe der "Wolfstatzen" unterscheidet sich je nachdem, ob der Mond zu- oder abnimmt. - Schließlich zieht in der Nacht vom 22. auf den 23. April der zunehmende Mond nördlich an Jupiter vorbei.
Unser äußerer roter Nachbarplanet Mars, der Ringplanet Saturn sowie der sonnennahe Planet Merkur bleiben für das bloße Auge im Monatsverlauf unsichtbar. Dagegen kann der innere Nachbarplanet Venus in der Abenddämmerung als auffälliges Objekt gesehen werden, das im Teleskop immer noch als kleine, voll beleuchtete Planetenscheibe erscheint. Venus wird uns bis zum Sommer als beeindruckender "Abendstern" begleiten und durchläuft Ende des Monats das "Goldene Tor der Ekliptik", die Region im Sternbild Stier zwischen den beiden Sternhaufen der Plejaden und Hyaden. Am 24. April zieht sie nördlich am nur mit einem lichtstarken Fernglas wahrnehmbaren Uranus vorbei und nähert sich allmählich Jupiter, den sie im Juni überholen wird.
Der Riesenplanet Jupiter ist das strahlende Objekt, das schon ab der Abenddämmerung hoch im Südwesten sichtbar ist und dann bis Mitternacht beobachtet werden kann. In guten Ferngläsern und kleinen Teleskopen sind in seiner Atmosphäre helle Zonen und dunkle Bänder auszumachen. Auch schon in Ferngläsern lassen sich seine vier großen Monde und deren Umläufe um Jupiter verfolgen, wobei es zu Durchgängen der Mondscheiben und ihrer -schatten vor und zu Bedeckungen bzw. Verfinsterungen hinter der Planetenscheibe kommt.

Die bisher die Blicke auf sich ziehenden Wintersternbilder mit ihren zahlreichen hellen farbigen Sternen sind dicht am Westhorizont aufzufinden. Den Südhimmel dominieren die Frühlingssternbilder wie der Löwe mit seinem Hauptstern Regulus und die Sternbilder Bootes mit dem auffälligen orangefarbenen Arktur und Jungfrau mit dem blauen Hauptstern Spika. Diese Sterne sind als das sogenannte Frühlingsdreieck bekannt. Darunter schlängelt sich horizontnah das Sternenband der Wasserschlange. - Das Inset in der Sternenhimmel-Grafik oben zeigt eine sogenannte Sternenuhr mit auffälligen zirkumpolaren Sternen, die in extremer Lage zu sehen sind: der Große Wagen im Zenit, das Himmels-W dagegen über dem Nordhorizont, die sich im Laufe eines Tages wegen der Erddrehung scheinbar um den Polarstern bewegen.
Weitere Besonderheiten im April: Die Möglichkeiten zur Beobachtung von Galaxien des Virgo-Galaxienhaufens zwischen den Sternbildern Löwe und Jungfrau. Denn in dieser Himmelsregion schaut man relativ ungestört durch die Milchstraße in die Tiefen des Universums. Einige der attraktiven Beobachtungsobjekte sind in der Deep-Sky-Zusatzgrafik zu finden.
Zudem sei auf die extrem nahe Sonnenpassage eines kleinen Kometen, als MAPS benannt, am Mittag des 4. April hingewiesen. Ob der kosmische Vagabund dabei zerfällt oder anschließend womöglich sogar noch als auffällige Kometenerscheinung zu sehen sein wird, bleibt allerdings abzuwarten.
| andere Himmelsansichten | nach oben | Sternhimmelarchiv |
|